Gemüse vorziehen im Haus – Pflanzplan, Anleitung und Tipps für kräftige Jungpflanzen

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Gemüse im Haus vorzuziehen ist für mich jedes Jahr der eigentliche Start in die Gartensaison. Während es draußen noch kalt und grau ist, beginnt für mich drinnen schon die Vorfreude auf den Sommer. Wer früh und kontrolliert vorzieht, bekommt hinterher kräftige, stabile Jungpflanzen – und später deutlich bessere und frühere Erträge.

Wichtig ist dabei nicht, alles möglichst früh zu säen, sondern zum richtigen Zeitpunkt. Manche Pflanzen brauchen eine lange Entwicklungszeit und profitieren von einer frühen Anzucht. Andere wachsen so schnell, dass sie viel zu groß werden würden, wenn man sie zu früh startet.

In diesem Beitrag zeige ich dir, welches Gemüse ich wann ziehe, wie ich Schritt für Schritt vorgehe und wann ich die Pflänzchen in größere Töpfe und nährstoffreichere Erde umtopfe.

Welche Gemüsesorten ich im Haus vorziehe – und welche nicht

Nicht jedes Gemüse muss vorgezogen werden. Gerade im Kübel ist es sinnvoll, gezielt zu planen.

Diese Sorten ziehe ich früh im Haus vor (lange Entwicklungszeit)

  • Snackpaprika
  • Blockpaprika
  • Auberginen
  • Tomaten (Salattomaten und Kirschtomaten)
  • Kohlrabi (säe ich in Etappen, siehe Pflanzplan)

Diese Pflanzen brauchen Wärme, Licht und vor allem Zeit. Eine frühe Aussaat im Februar sorgt dafür, dass sie bis Mai kräftige Jungpflanzen entwickeln.

Diese Sorten ziehe ich später im Haus vor

  • Gurken
  • Zucchini

Beide wachsen extrem schnell. Sie werden erst ab Mitte April ausgesät, direkt in größere Töpfe, damit sie nicht unnötig lange im Haus stehen.

Diese Sorten säe ich direkt ins Beet oder in den Kübel

  • Pflücksalat
  • Rauke
  • Möhren

Diese Pflanzen kommen problemlos mit Direktsaat ab Mitte Mai zurecht und müssen nicht im Haus vorgezogen werden.

Zubehör, das du für deine Anzucht brauchst

In diesem Beitrag habe ich dir mein komplettes Zubehör und eine Anleitung für meinen DIY-Anzuchtwagen verlinkt, der dir Platz und Licht bei der Anzucht im Haus bietet.

Schritt für Schritt Anleitung: So ziehst du Gemüse im Haus richtig vor

1. Anzuchttöpfe vorbereiten und Samen aussäen

Ich fülle meine kleinen Anzuchttöpfchen* oder Anzuchtschalen mit feiner Anzuchterde* und drücke sie leicht an (Funfakt: zum Andrücken nutze ich einen Baustein der Kinder 😉 Danach setze ich die Samen entsprechend der Angaben auf der Verpackung in die Erde – jedes Gemüse hat eine andere Saattiefe.

Wichtig ist für mich direkt danach das Beschriften der Schilder*. Entweder beschrifte ich jeden Topf einzeln oder ich arbeite in Reihen und markiere nur die jeweilige Reihe, zum Beispiel „Tomaten“ oder „Paprika“. Gerade wenn mehrere Sorten gleichzeitig keimen, verliert man sonst schnell den Überblick.

Anschließend gieße ich vorsichtig an – am liebsten mit einer kleinen Ballbrause*, damit die Samen nicht weggeschwemmt werden.

2. Feucht halten und regelmäßig lüften

In den ersten Tagen halte ich die Erde gleichmäßig feucht, aber niemals nass. Staunässe mögen Samen überhaupt nicht. Wenn ich mit einem Zimmergewächshaus* arbeite, lüfte ich täglich kurz, damit sich kein Schimmel bildet.

Jetzt heißt es abwarten.

3. Keimblätter – das erste Grün

Zuerst erscheinen die sogenannten Keimblätter. Das sind die allerersten kleinen Blätter, die aus der Erde kommen. Sie sehen oft noch nicht so aus wie die späteren Pflanzenblätter. Das ist ganz normal.

In dieser Phase ist ausreichend Licht besonders wichtig, damit die Pflänzchen nicht in die Höhe schießen und dünn werden. Meinen Hack dazu findest du hier.

4. Die ersten echten Blattpaare

Nach den Keimblättern entwickeln sich die ersten „echten“ Blätter. Diese sehen bereits typisch für die jeweilige Pflanze aus – bei Tomaten zum Beispiel gezackt, bei Paprika glatt und etwas kräftiger.

Sobald ein bis zwei echte Blattpaare vorhanden sind, ist der richtige Zeitpunkt zum Umtopfen gekommen.

5. Umtopfen – jetzt bekommen die Pflanzen mehr Platz

Sobald ein bis zwei echte Blattpaare sichtbar sind, topfe ich die Jungpflanzen in größere Töpfe um – bei mir sind das konsequent die 9×9 cm Töpfe*. In dieser Größe haben die Wurzeln ausreichend Platz, um sich stabil zu entwickeln, ohne dass die Erde zu lange ungenutzt bleibt.

Beim Umtopfen arbeite ich vorsichtig. Die kleinen Wurzeln sind noch empfindlich. Mit einem Pikierstäbchen* – das ich auch im Zubehör verlinkt habe – lassen sich die Pflänzchen sehr gut aus der Anzuchterde lösen, ohne sie zu verletzen. Alternativ funktioniert auch ein schmaler Holzstab, aber ein richtiges Pikierstäbchen macht es deutlich einfacher.

Die neuen Töpfe fülle ich mit nährstoffreicher Gemüseerde. Die Anzuchterde war ideal für die Keimung, enthält aber bewusst nur wenige Nährstoffe. Jetzt brauchen die Pflanzen mehr Kraft.

Tomaten:

Nach etwa 2–3 Wochen, sobald 1–2 echte Blattpaare sichtbar sind. Tomaten setze ich beim Umtopfen etwas tiefer, damit sie zusätzliche Wurzeln am Stängel bilden können.

Paprika und Auberginen:

Ebenfalls nach den ersten echten Blättern. Diese setze ich nicht tiefer als zuvor.

Kohlrabi:

Relativ zügig nach der Keimung, damit er nicht zu lange im kleinen Topf bleibt. Auch hier verwende ich 9×9 cm Töpfe mit Gemüseerde.

Gurken und Zucchini:

Diese säe ich mittlerweile direkt in 9×9 cm oder 9–12 cm Töpfe, da sie sehr schnell wachsen und ungern umgetopft werden.

Mein Pflanzplan für Februar bis Mai – Gemüse im Haus vorziehen

Damit ich nicht den Überblick verliere und die Pflanzen nicht alle gleichzeitig erntereif werden, arbeite ich mit einem klaren Monatsplan. So bleibt alles übersichtlich – und es wächst nichts „aus Versehen“ zu groß im Haus.


🌱 Februar – Start für die Langsamentwickler

Ab Mitte bis Ende Februar beginne ich mit den wärmeliebenden Kulturen, die viel Zeit brauchen:

  • Snackpaprika
  • Blockpaprika
  • Auberginen
  • Salattomaten
  • Kirschtomaten

Aussaat in kleine Anzuchttöpfe mit Anzuchterde.

Standort: warm und hell, idealerweise unter Pflanzenlampen für 12–14 Stunden täglich.

In dieser Phase wird noch nicht gedüngt. Wichtig ist gleichmäßige Feuchtigkeit und ausreichend Licht, damit die Pflanzen kompakt wachsen.


🌿 März – Kohlrabi gestaffelt vorziehen

Im März starte ich mit Kohlrabi – aber bewusst in Etappen. So vermeide ich, dass später alles gleichzeitig erntereif ist.

🥒 Ab Mitte April: Gurken und Zucchini

Gurken und Zucchini starte ich bewusst nicht früher, da sie extrem schnell wachsen.

Aussaat: ca. 15.–25. April

Direkt in 9×9 cm oder 9–12 cm Töpfe mit Gemüseerde.

Diese Pflanzen bleiben nur etwa 3–4 Wochen im Haus, bevor sie nach draußen dürfen.

 

🌼 Mai – Direktsaat nach den Eisheiligen

Ab Mitte Mai (nach den Eisheiligen) säe ich direkt in Kübel oder Hochbeet:

  • Pflücksalat
  • Rauke
  • Möhren

Diese Sorten müssen nicht im Haus vorgezogen werden. Sie keimen zuverlässig im Freiland und wachsen unkompliziert.

 

🥬 Kohlrabi (4 Etappen à 5 Pflanzen)

  1. Etappe: 1. März – 5 Pflanzen
  2. Etappe: ca. 20. März – 5 Pflanzen
  3. Etappe: ca. 10. April – 5 Pflanzen
  4. Etappe: 1. Mai – 5 Pflanzen

Gesät wird ebenfalls in kleine Anzuchttöpfe mit Anzuchterde. Sobald die ersten echten Blätter erscheinen, topfe ich sie in meine 9×9 cm Töpfe um – mit nährstoffreicher Gemüseerde. Kohlrabi sollte nicht zu lange im kleinen Topf stehen, damit sich die Knolle später gut entwickeln kann.

So habe ich über viele Wochen verteilt frischen Kohlrabi statt alles auf einmal.

Die richtige Belichtung – ohne Licht keine kräftigen Pflanzen

Gerade bei der Anzucht im Haus ist Licht der entscheidende Faktor. Viele Fensterbänke wirken hell, liefern im späten Winter aber nicht genug Licht, damit die Pflanzen kompakt wachsen. Das merkt man daran, wenn die Stängel lang und dünn werden und die Pflanzen instabil.

Deshalb arbeite ich mit Pflanzenlampen und beleuchte meine Jungpflanzen täglich etwa 12–14 Stunden. Wichtig ist dabei die Regelmäßigkeit. Pflanzen brauchen auch eine Nachtphase – 24 Stunden Dauerlicht ist nicht sinnvoll.

Der Abstand zur Lampe spielt ebenfalls eine große Rolle. Keimlinge stehen bei mir etwa 10–15 cm unter der Lichtquelle, größere Jungpflanzen etwa 15–20 cm. Lieber etwas näher als zu weit entfernt – sonst suchen die Pflanzen nach Licht und wachsen instabil. In meinem DIY-Anzuchtwagen erhöhe ich dann die Anzuchtschalen einfach etwas.

Mit ausreichend Licht wachsen die Pflanzen deutlich kompakter, kräftiger und gesünder.

Bewässerung – gleichmäßig, aber niemals nass

Beim Gießen gilt ein ganz einfacher Grundsatz: feucht, aber nicht nass.

In der Keimphase halte ich die Anzuchterde gleichmäßig feucht. Am liebsten gieße ich mit einer kleinen Ballbrause oder von unten über die Schale, damit die Samen nicht weggeschwemmt werden. Staunässe unbedingt vermeiden, denn junge Wurzeln reagieren empfindlich.

Nach dem Umtopfen in die 9×9 cm Töpfe gieße ich ebenfalls moderat. Die Erde sollte zwischen den Wassergaben leicht antrocknen, aber nie komplett austrocknen. Da führt zur einer stärkeren Wurzelbildung. Gerade im Haus unterschätzt man schnell, wie lange feuchte Erde braucht, um wieder abzutrocknen.

Mit der Zeit bekommt man ein gutes Gefühl dafür. Ich schaue mir die Erde an und hebe die Töpfe kurz an – so merke ich schnell, ob noch genug Feuchtigkeit vorhanden ist.

Lies weiter: Ausstattung & Zubehör für die Anzucht

Gemüse Anzucht im Haus – Zubehör, Pflanzenlampen & Anzuchtwagen-HACK

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